Das Besondere im Unternehmen

Gute Leute zu finden, ist für Betriebe immer schwieriger geworden. Die Trierer Agentur Markenmut stößt dabei immer wieder auf Kunden, die Probleme damit haben, als Arbeitgeber aufzufallen. Messbare Fakten sollen dabei helfen.

von Sabine Schwadorf, Trierischer Volksfreund

Erst der Druck durch die Kunden hat  Bernd Neisen und Christian Kaiser auf die Idee gebracht. Seit mehr als zehn Jahren mit rund 30 Mitarbeitern ist ihre Agentur Markenmut nun auf dem Markt, aber ein Thema brennt ihren Kunden zunehmend auf den Nägeln: Sie finden kaum noch Mitarbeiter, die berühmten „guten Leute“.

„Es gibt nicht nur immer mehr Konkurrenz um jeden Mitarbeiter in einer Branche, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt generell“, sagt Christian Kaiser. „Der Druck wächst.“ Dabei sei die Region Trier besonders gefährdet: „Da gibt es Unternehmen, in denen nicht nur einzelne Mitarbeiter, sondern ganze Kolonnen von ihnen nach Luxemburg oder zum Konkurrenten abwandern und Aufträge nicht mehr angenommen werden können“, weiß Kaiser aus seiner Beratungserfahrung. Viele Unternehmen könnten demnach nur schwer leistungsfähig bleiben.

Seit drei Jahren verschärft sich das Phänomen: „Immer mehr Unternehmen fragen nach, wie sie sich von anderen abheben können und auf sich aufmerksam machen können“, sagt Bernd Neisen. Das beginne schon damit, neue Azubis zu finden und setze sich bei der Besetzung von Führungsstellen fort. „Das betrifft vor allem eher kleinere Betriebe ohne professionelle Personalabteilung.“

Aus der Not ihrer Kunden hat Markenmut nun eine Tugend gemacht und eine neue Unternehmensgesellschaft namens „Gute Leute“ mit Neisen und Kaiser an der Spitze gegründet. „Ziel ist es, für die Betriebe Mitarbeiter zu finden, die vorhandene Belegschaft so lange wie möglich zu halten, sich selbst als Arbeitgeber attraktiv zu machen und dies auch messbar zu machen“,  sagt Neisen. Erste Projekte etwa mit dem Deutschen Roten Kreuz Rheinland-Pfalz und dem Trierer Unternehmen Leyendecker Holzland gibt es bereits.

Dabei ist Neisen durchaus klar, dass eine Arbeitgebermarke Zeit braucht, mindestens drei Monate, und vom Chef bis zur Putzfrau müssten alle an einem Strang ziehen. „Wo stehen wir? Was ist das Besondere an uns? Warum sollte sich jemand in unserer Firma bewerben? Worin besteht die Anziehungskraft?“ Was am Ende stehe, seien Antworten auf diese Fragen und eine Arbeitgebermarke, mit dem sich das Unternehmen profilieren könne.

Dabei geht es nicht allein um Konzepte, Workshops und Visionen, sondern auch um messbare Fakten. So hat Markenmut gemeinsam mit Professor Bernhard Swoboda vom Lehrstuhl Marketing und Handel der Betriebswirtschaftslehre der Universität Trier einen Markengravitationsindex entwickelt und ihn auch zum Patent angemeldet. „Unternehmensgrundsätze und Unternehmenskultur sind Ausdruck eines Wertesystems, das mit den Werten der Beschäftigten übereinstimmt“, hat der Wissenschaftler untersucht.

„Viele Arbeitgeber unterschätzen die Bedeutung einer Arbeitgebermarke“, sagt Bernd Neisen, dabei sei dies mit entscheidend dafür, ob sich jemand in einem Unternehmen bewirbt. „Heute ist die Offenheit der Mitarbeiter größer. Keiner bleibt mehr 30 Jahre in einem Unternehmen, was früher für die Sicherheit und das gute Klima dort gesprochen hat“, ergänzt Christian Kaiser. Die Arbeitgeber müssten sich stärker bewegen, um attraktiv zu sein.

Ob es um Karriere und Weiterbildung, Bezahlung und Sozialleistung oder auch um Zufriedenheit und Betriebsklima, Sicherheit und Solidität geht: All diese Faktoren werden beim Markengravitationsindex abgefragt, immer wieder. Dabei wird dann schnell klar, dass ein Unternehmen umso attraktiver für einen Mitarbeiter ist, je mehr er von den einzelnen Punkten angezogen wird: „Ob ein Unternehmen etwas Besonderes ist oder wird, kann auf Dauer kein Chef allein bestimmen“, ist der „Gute Leute“-Geschäftsführer Kaiser überzeugt.